"Zivildienstleistende und Absolventen des Berufsvorbereitenden oder Freiwilligen Sozialen Jahres sind für uns unverzichtbar. Sie bringen mit ihrer Hilfe und ihrem jugendlichen Engagement notwendigen Schwung und frische Ideen in unsere Arbeit ein und qualifizieren sich bei uns in sozialen Berufsfeldern."
Benedikt Kirfel, Geschäftsführer Lebenshilfe Rhein Sieg
Alena (19), Marie (17), Jan (20) und Victor (22), die in diesem Artikel zu Wort kommen, stehen nur exemplarisch für eine Vielzahl junger Leute, die eins miteinander verbindet: Der Wunsch sich sozial zu engagieren und sich - zumindest für einen begrenzten Zeitraum - in eine soziale Einrichtung einzubringen, um dort eine sinnvolle Tätigkeit
auszuüben. Die einen tun dies, weil sie nicht zur Bundeswehr wollen, die anderen, weil sie sich zwischen Schulabschluss und Berufswahl erst einmal gründlich orientieren wollen.
Die Lebenshilfe Rhein Sieg mit ihren unterschiedlichsten Einrichtungen bietet diesen jungen Menschen ein ideales Tätigkeitsfeld: Seien es die Wohnhäuser, die Frühförderung, die ambulanten Dienste oder die Rhein Sieg Werkstätten mit ihren verschiedensten Arbeits- und Förderbereichen - überall werden Zivildienstleistende und Absolventen des Berufsvorbereitenden oder Freiwilligen Sozialen Jahres mit offenen Armen empfangen. Und überall finden sie interessante Beschäftigungsfelder vor, in die sie sich mit ihrer ganzen Individualität einbringen können.
Zentrale Aufgabe dieser jungen Leute ist es, Menschen mit Behinderungen in ihrem Lebensalltag und in ihrer Arbeitswelt zu unterstützen sowie bei pädagogischen, betreuenden oder hauswirtschaftlichen Arbeiten zu helfen. Bevor dies im Folgenden näher beschrieben wird, ist allerdings eine Begriffsklärung von Nöten:
"In unserer Einrichtung achten wir sehr auf die individuellen Fähigkeiten unserer Zivildienstleistenden und BSJler und setzen sie entsprechend ein."
Peter Welteroth, Pädagogischer Leiter RSW Eitorf
Das Berufsvorbereitende Soziale Jahr (BSJ) ist ein spezielles, bundesweites Angebot der Lebenshilfe. Es dient wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) als Orientierungsjahr zwischen Schule, Ausbildung und Beruf. Hier erproben junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren ihre ersten Schritte in die zukünftige Arbeitswelt, angeleitet durch langjährige, berufserfahrene Mitarbeiter der Lebenshilfe. Das BSJ bietet die Möglichkeit, Erfahrungen im Berufsalltag zu sammeln und sich praxisbezogen auf Beruf, Ausbildung oder Studium vorzubereiten. Das BSJ ist ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis und wird mit 401,- Euro netto vergütet. Es dauert in der Regel 12 Monate, kann aber nach Absprache auch verlängert werden.
Nach ihrem Schulabschluss wusste Alena (19) nicht recht, was für einen Beruf sie ergreifen sollte. Zwar tendierte sie eindeutig zu einer Beschäftigung im sozialen Bereich, aber die genaue Richtung, in die sie gehen sollte, war ihr völlig unklar. Da kam das BSJ gerade Recht: "Durch das Beru
fsvorbereitende Soziale Jahr konnte ich in verschiedenen
Bereichen meine Erfahrungen sammeln. Ich konnte mir anfangs z.B. nicht vorstellen, mit Erwachsenen mit geistiger Behinderung zu arbeiten. Nach viermonatiger Erfahrung in einem Wohnheim der Lebenshilfe Rhein Sieg hat sich meine Meinung geändert. Sie sind Bestandteil meiner zukünftigen Arbeit geworden, und ich bin sehr gerne mit ihnen zusammen. Im Moment betreue ich zwei Kinder an zwei verschiedenen Schulen und helfe ab und zu zusätzlich bei Freizeitgruppen oder anderen Angeboten
der Lebenshilfe mit. Durch das BSJ steht mein Berufswunsch nun fest, und ich werde mein Studium in diese Richtung lenken."
Nicht viel anders erging es Marie (17), die ganz begeistert über ihre Arbeit spricht und dabei das vielfältige Spektrum ihrer verschiedensten Aufgaben beschreibt: "Ich arbeite im so genannten Heilpädagogischen Arbeitsbereich (kurz: HAB) der RSW Eitorf in einer Gruppe mit acht behinderten Menschen. Im HAB sind Leute mit schwerwiegenden Behinderungen beschäftigt, die dadurch öfter und intensiver auf meine/unsere Hilfe angewiesen sind. Meine Aufgaben bestehen zum größten Teil darin, gemeinsam mit den Gruppenleitern die Mitarbeiter/innen in ihrem Arbeitsalltag zu begleiten und zu unterstützen... Auch in ihrer Selbstständigkeit werden die Mitarbeiter von uns gefördert, in dem wir ihnen zeigen, wie man zum Beispiel einen Tisch selbstständig eindeckt und abräumt oder kleinere Aufgaben erledigt, wie eine Spülmaschine ein- und auszuräumen, den Müll zu sortieren und vieles mehr. Darüber hinaus gebe ich unseren Mitarbeitern Hilfestellungen etwa im Umgang mit Kleber und Schere, wenn es um die Wahrnehmung der verschiedenen kreativen Angebote geht.
"Die jungen Helfer sind eine große Unterstützung in der täglichen Arbeit. Ohne sie könnten wir unseren Auftrag, Menschen mit Behinderungen bedarfsgerechte Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, lange nicht so gut erfüllen."
Lothar Gorholt, Geschäftsführung RSW
Selbstverständlich gehören im HAB die für manche "unangenehmen" Aufgaben dazu, wie Toilettengänge begleiten und Essen anreichen... Ich bin jedenfalls froh, mein BSJ hier machen zu können, da es mich in meinem Berufswunsch als Erzieherin unheimlich bestärkt und dabei noch sehr viel Spaß macht."
In der Abteilung "Kinder, Jugend & Familie" sind derzeit fünf junge Frauen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren tätig, die ihr BSJ bei der Lebenshilfe Rhein Sieg absolvieren. Sie nutzen das BSJ als Orientierungsphase, was ihre Berufswünsche betrifft, oder als Übergangszeit zwischen Schulabschluss, Auslandsjahr und Start ins Studentenleben.
Bei uns sind die BSJler überwiegend im Bereich der Integrationsassistenz tätig, die sich an Kinder- und Jugendliche richtet, die aufgrund ihrer Behinderung beim Schulbesuch auf unmittelbare, individuelle Unterstützung angewiesen sind. Mit Hilfe unserer BSJler können Kinder und Jugendliche mit Behinderung so zur Erfüllung ihrer Schulpflicht in den Klassenverband und die Schulgemeinschaft "ganz normaler" Schulen integriert werden. Zu unserem Klientel gehören Kinder und Jugendliche mit herausforderndem Verhalten, mit besonderen Kommunikationsbedürfnissen, mit Bedarf an pflegerischen, medizinischen und therapeutischen Hilfen und/oder unkontrollierbarem Gefährdungspotential gegenüber sich selbst oder anderen.
Darüber hinaus werden unsere BSJler teilweise auch im Bereich des Familien Unterstützenden Dienstes eingesetzt - z.B. zur Betreuung in der Familie und bei der Schwimmbegleitung. Und auch unser Kinder- und Jugendclub profitiert vom Engagement unserer jungen Helferinnen etwa bei der Begleitung von Freizeitgruppen und Ferienspielen.
Begleitung, Unterstützung, Förderung - auch für Zivildienstleistende in den Rhein Sieg Werkstätten stehen diese Begriffe im Zentrum ihrer Tätigkeiten, die sich prinzipiell nicht von denen der BSJler unterscheiden. Victor (20) ist in erster Linie in der Abteilung "Mechanische I" der
RSW Eitorf beschäftigt, wo er den Mitarbeitern bei allen Belangen des Arbeitsalltags hilft. Dabei fühlt er sich allerdings keineswegs als bloßer Handlanger für den reibungslosen Ablauf der Produktion: "Neben dem Prüfen und Warten der Maschinen geht es in der Hauptsache darum, den Mitarbeitern zuzuhören und auf sie einzugehen, sich mit ihren Anregungen und Problemen auseinander zu setzen, ihnen zu helfen - und für sie da zu sein, wenn sie jemanden brauchen...
Manchmal fühle ich mich als "richtiger" Betreuer, wohl wissend, dass ich diese Funktion nicht so ausfüllen kann, wie dies die ausgebildeten Fachkräfte tun. Es fühlt sich dennoch gut an, jemandem, der die Hilfe von einem braucht, auch wirklich helfen zu können."
Und dann betont Victor wie wichtig es für ihn ist, viele Gelegenheiten zu haben, auch mit Mitarbeitern, Angestellten, Zivis und BSJlern anderer Abteilungen in Kontakt zu kommen. So beispielsweise, wenn er Fahrdienste zum Therapeutischen Reiten übernimmt oder Aufsicht bei Frühstücks- und Kaffeepausen und im Heilpädagogischen Arbeitsbereich führt.
Schließlich ist Victor auch des Lobes voll für die Organisation seines Zivildienstes seitens der RSW-Verantwortlichen: Die Integration ins Team, überschaubare, sinnvolle Aufgaben, freundliche und hilfsbereite Ansprechpartner und regelmäßige Teilnahme an Dienstbesprechungen - dies alles trage wesentlich zur Motivation bei und fördere den Teamgeist sowie seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Kein Wunder, dass sein Fazit eindeutig ausfällt: "Mittlerweile sind fast neun Monate ins Land gegangen - und abschließend kann ich mich zu jenen Glücklichen zählen, die ihren Zivildienst als eine unglaublich lehrvolle, spannende, wertvolle sowie wichtige Erfahrung ansehen, die ich keinesfalls missen möchte."
Auch Jan (19) macht aus der Begeisterung, mit der er seinen neunmonatigen Zivildienst absolviert, keinen Hehl: "Alles in allem bleibt nur zu sagen, dass der Zivildienst in den RSW Eitorf eine super Sache ist, mir unglaublich Spaß macht und mir so viele wichtige Erfahrungen beschert hat, wie ich es mir nie hätte erträumen lassen. Ich kann und werde jedem nur empfehlen, seinen Zivildienst mit außergewöhnlichen Menschen zu machen. Es wird das eigene Leben bereichern, und man wird etwas Wertvolles aus seinem Zivildienst mitnehmen."
Es ist eine inzwischen allgemein anerkannte Tatsache, dass sich gerade soziale Einrichtungen aus vielen Gründen besonders gut für die personale und soziale Kompetenzentwicklung junger Menschen eignen. Lernen in der Lebenswelt "soziale Einrichtung" bringt prägende Erfahrungen für das eigene Leben und die eigene Weiterentwicklung, weil die Erfahrungen im Sozialbereich gut auf berufliche und private Alltagssituationen übertragbar sind - und Schlüsselqualifikationen wie Team- und Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen etc. vermitteln.
Aber nicht nur die jungen Menschen ziehen einen großen Gewinn aus einem derartigen Engagement: Es sind vielmehr auch und besonders unsere Einrichtungen, die ganz konkret und unmittelbar von der Arbeit der Zivildienstleistenden und BSJ/FSJler profitieren, gerade bei Aufgaben, für die in den alltäglichen Abläufen oft nicht genügend Zeit zur Verfügung steht. Und sie bringen nicht selten "frischen Wind" in unsere Einrichtungen: Spontaneität, Kreativität
und Unvorgenommenheit zeichnen die Zivis und BSJler als belebendes Element aus und machen sie zu einer positiven, unverzichtbaren Ergänzung im Berufsalltag unserer Einrichtungen. Vor allem aber - und das ist für uns alle das Wichtigste - profitieren von unseren jungen Helferinnen und Helfern am stärksten die Menschen mit Behinderungen, die im Mittelpunkt unserer ganzen Arbeit stehen. Deshalb unser Appell an alle Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren Zivildienst oder ein
Berufsvorbereitendes Soziales Jahr absolvieren möchten: Kommen Sie zu uns. Es lohnt sich! Für alle!
Die Lebenshilfe Rhein Sieg hat in ihren Einrichtungen zur Zeit folgende Plätze für Zivildienstleistende (ZDL) und Absolventen des Berufsvorbereitenden/Freiwilligen Sozialen Jahres (BSJ) zu bieten:
Werkstatt Troisdorf: 17 ZDL und 10 BSJ
Werkstatt Eitorf: 11 ZDL und 9 BSJ
Werkstatt Much: 4 ZDL und 6 BSJ
Werkstatt Siegburg: 3 ZDL und 1 BSJ
Wohneinrichtungen: 1 ZDL und 3 BSJ
Ambulante Dienste: 8 bis10 BSJ
Wenn Sie sich bei uns bewerben wollen oder weitere Informationen benötigen, richten Sie sich bitte an:
Geschäftsstelle der Lebenshilfe Rhein Sieg, Telefon 0 22 41/20 71 0
oder an die Pädagogischen Leiter unserer Werkstätten, die Sie unter www.wfbrheinsieg.de unter dem Menüpunkt "Kontakt" finden.
Lesen Sie bitte hier die vollständigen Berichte der im Artikel zitierten BSJlerinnen und Zivildienstleistenden: