Mein BSJ

Ein Bericht von Marie Therese Henrichs

Hallo, mein Name ist Marie, ich bin 17 Jahre alt und absolviere gerade mein BSJ (Berufsvorbereitendes Soziales Jahr) bei den Rhein Sieg Werkstätten der Lebenshilfe gemeinnützige GmbH in Eitorf. Die RSW ermöglichen Menschen mit Behinderung einen "normalen" Arbeitsalltag. Hier gibt es verschiedene Arbeitsbereiche, die sich an der unterschiedlichen Art und Schwere der jeweiligen Behinderung orientieren.

Ich arbeite im so genannten Heilpädagogischen Arbeitsbereich (kurz: HAB) in einer Gruppe mit acht behinderten Menschen. Im HAB sind Leute mit schwerwiegenden Behinderungen beschäftigt, die dadurch öfter und intensiver auf meine/unsere Hilfe angewiesen sind. Meine Aufgaben während des BSJ bestehen zum größten Teil darin, gemeinsam mit den Gruppenleitern die Menschen mit Behinderung in ihrem Arbeitsalltag zu begleiten, zu unterstützen und sie zu fördern. Bei uns im HAB werden unsere Mitarbeiter auch mit kleineren Arbeitsaufträgen beschäftigt. Meine Funktion ist es, den Mitarbeitern die Aufträge zu erklären und die Ergebnisse später zu kontrollieren.

Auch in ihrer Selbstständigkeit werden die Mitarbeiter von uns gefördert, in dem wir ihnen zeigen, wie man zum Beispiel einen Tisch selbstständig eindeckt und abräumt oder kleinere Aufgaben erledigt, wie eine Spülmaschine ein- und auszuräumen, den Müll zu sortieren und vieles mehr. Darüber hinaus gebe ich unseren Mitarbeitern Hilfestellungen etwa im Umgang mit Kleber und Schere, wenn es um die Wahrnehmung der verschiedenen kreativen Angebote geht.

Selbstverständlich gehören im HAB die für manche "unangenehmen" Aufgaben dazu, wie Toilettengänge begleiten und Essen anreichen. Es gibt allerdings auch Arbeitsbereiche, in denen die Mitarbeiter weniger auf unsere Hilfe angewiesen sind. Dort fallen dann solche Aufgaben, wie begleitende Toilettengänge oder Essen anreichen, weg.

Ich bin jedenfalls froh, mein BSJ hier machen zu können, da es mich in meinem Berufswunsch als Erzieherin unheimlich bestärkt und dabei noch sehr viel Spaß macht.

 

 

 

Jetzt steht mein Berufswunsch fest

Von Alena Rouenhoff

Meistens ist es doch so, dass kaum jemand nach dem Schulabschluss einen festen Berufswunsch hat. Man kennt lediglich die ungefähre Richtung, zu der man tendiert, hat jedoch keine genaueren Vorstellungen. Mir erging es nicht anders. Ich wusste zwar, dass ich im sozialen Bereich arbeiten will, doch ich stellte mir immer die Frage: "Was eigentlich?"
Durch das Berufsvorbereitende Soziale Jahr konnte ich in verschiedenen Bereichen meine Erfahrungen sammeln. Ich konnte mir anfangs z. B. nicht vorstellen, mit Erwachsenen mit geistiger Behinderung  zu arbeiten. Nach viermonatiger Erfahrung in einem Wohnheim der Lebenshilfe Rhein Sieg hat sich meine Meinung geändert. Sie sind Bestandteil meiner zukünftigen Arbeit geworden, und ich bin sehr gerne mit ihnen zusammen. Im Moment betreue ich zwei Kinder an zwei verschiedenen Schulen und helfe ab und zu zusätzlich bei Freizeitgruppen oder anderen Angeboten der Lebenshilfe mit.

Durch das BSJ steht mein Berufswunsch nun fest, und ich werde mein Studium in diese Richtung lenken.

 

 

Mein Zivildienst

Ein Bericht von Viktor Bekel

Neun Monate Zivildienst! Das sind die Monate im Leben eines jungen Mannes, die er sich vielleicht nicht unbedingt wünscht oder auf die er sich besonders freut. Und doch ist es eine Zeit im Leben eines Menschen, die ihm eine ganz besondere Erfahrung bietet.

Als ich die Einladung zu meiner Musterung erhielt, stand für mich sofort fest, dass ich niemals einen Menschen umbringen will und der Dienst an der Waffe für mich ganz und gar ausgeschlossen ist. Ich entschied mich für den Zivildienst. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuen sollte.

Nun ging es für mich daran, eine Zivildienststelle zu finden, womit ich mich anfangs etwas schwer getan habe. Ein Freund empfahl mir die Rhein Sieg Werkstatt in Eitorf, wo er seinen Zivildienst geleistet hatte und sehr zufrieden war. Ich fragte mich, ob ich nicht zu viele Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung haben würde, so dass die Arbeit in einer derartigen Werkstatt ein Problem für mich darstellen könnte. Ich hatte die Befürchtung, mich falsch zu verhalten, dachte ich doch, ich müsste mich ganz anders verhalten und agieren als ich es sonst tun würde, da die Menschen doch eine "Behinderung" haben. Trotz der Bedenken entschied ich, mich bei der Werkstatt in Eitorf zu bewerben - und wurde wenige Tage darauf zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Der Pädagogische Leiter Peter Welteroth führte mich durch die ganze Werkstatt und stellte mir einige Mitarbeiter/innen und die jeweiligen Abteilungen vor, in denen sie arbeiten. Ich hospitierte in der Abteilung "Mechanische I", wo mich die Gruppenleiter und die Mitarbeiter herzlich begrüßten. Der Zivildienstleistende, der zu diesem Zeitpunkt noch in der Abteilung arbeitete, wies mich in einige seiner Aufgaben ein. Nach einigen Stunden stand für mich fest, dass ich in dieser Werkstatt arbeiten will, denn die Befürchtungen vor möglichen Berührungsängsten lösten sich schnell auf. Ich habe sofort gemerkt, dass meine Gedanken völlig unbegründet waren und ich mit den Mitarbeitern ganz normal umgehen konnte. Dieses Gefühl, und die Sicherheit mit den auf mich zukommenden Aufgaben umgehen zu können, bekam ich vor allen Dingen dadurch, dass die Mitarbeiter ihrerseits auch mit mir völlig normal umgingen. Und so entschied ich mich am nächsten Tag endgültig dafür, in wenigen Monaten meinen Dienst bei den RSW anzutreten.

Mein erster Tag als Zivildienstleistender ähnelte sehr dem Tag, an dem ich hospitiert hatte. Ich wurde noch einmal durch die Werkstatt geführt und mit den Mitarbeitern und Angestellten der verschiedenen Abteilungen vertraut gemacht, was ich als "Einstieg" sehr angenehm empfand, hatte ich doch in der Zwischenzeit einiges an Informationen wieder verloren. In den nächsten paar Wochen gewöhnte ich mich schnell an die Umstellung vom Schulalltag auf die Tätigkeiten in der Werkstatt.

In der "Mechanischen I", wo ich meinen Zivildienst ableiste, werden mit Hilfe von verschiedenen Maschinen Buchsen in Stangenführungen gepresst. Die fertigen Produkte werden dann an ZF Sachs in Eitorf und Schweinfurt geschickt, wo diese als Bestandteil von Stoßdämpfern verbaut werden. Eine meiner Aufgaben im Arbeitsalltag besteht darin, die Arbeit der Maschinen zu überwachen und die Produkte auf ihre Qualität, also die Einpresstiefe der Buchsen, Beschädigungen, Verschmutzungen usw. zu überprüfen und die Ergebnisse in so genannten Prozessregelkarten fest zuhalten. Wenn Maschinen stehen bleiben oder Komplikationen auftreten, heißt es für mich auf "Spurensuche" zu gehen und den Fehler zu beheben. Dabei kann ich mich immer darauf verlassen, dass mir die Gruppenleiter, die anderen Zivildienstleistenden oder die BSJler zur Hilfe eilen, wenn ich es selbst nicht alleine schaffe.

Neben dem Prüfen und Warten der Maschinen geht es allerdings in der Hauptsache darum, den Mitarbeitern zuzuhören und auf sie einzugehen, sich mit ihren Anregungen und Problemen auseinander zu setzen, ihnen zu helfen - und für sie da zu sein, wenn sie jemanden brauchen. Manchmal geht es in diesen Gesprächen "nur" um die Arbeit, wenn ich beispielsweise erklären muss, warum die Maschine nicht funktioniert oder gerade so wenig zu tun ist. Aber häufig drehen sich die Gespräche auch um Privates, wie Streitigkeiten mit anderen Mitarbeitern oder die Pläne für den Feierabend oder das Wochenende. In diesen Fällen verstehe ich mich manchmal als "richtiger" Betreuer, wohl wissend, dass ich diese Funktion nicht so ausfüllen kann, wie dies die ausgebildeten Fachkräfte tun. Es fühlt sich dennoch gut an, jemandem, der die Hilfe von einem braucht, helfen zu können.

Über meinen eigentlichen Arbeitsplatz hinaus habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten die Möglichkeit, auch mit den Mitarbeitern und Angestellten anderer Abteilungen in Kontakt zu kommen. So übernehme ich beispielsweise manchmal Fahrdienste zum Therapeutischen Reiten, was bedeutet, dass ich Mitarbeiter aus verschieden Abteilungen nach Much fahre, mich mit ihnen während der Fahrt unterhalte, mit ihnen warte, bis sie Reiten können und ab und an den Betreuern während des Reitens helfe. Und dann sind da noch die Frühstücks- und Kaffeepausen, in denen ich Aufsicht habe: Während ich mit den Mitarbeitern an einem großen Tisch frühstücke, unterhalte ich mich mit ihnen beispielsweise über das Essen oder die neuesten Nachrichten aus Sport und Technik. Im Moment habe ich außerdem noch ein mal pro Woche eine halbstündige Aufsicht im Heilpädagogischen Arbeitsbereich, in der ich zusätzlich in Kontakt mit anderen Angestellten und Mitarbeitern trete, die ich sonst wahrscheinlich nicht hätte kennen lernen können.

Mittlerweile sind fast neun Monat ins Land gegangen - und abschließend kann ich mich zu jenen Glücklichen zählen, die ihren Zivildienst als eine unglaublich lehrreiche, spannende, wertvolle sowie wichtige Erfahrung ansehen, die ich keinesfalls missen möchte. Der Respekt vor den Menschen mit Behinderung, der Umgang mit ihnen sowie das Erleben der zwischenmenschlichen Ebene sind Erfahrungen, die ich während meines Zivildienstes machen durfte: Diese Erfahrungen sind für mich persönlich unglaublich wertvoll - und werden mich in meinem weiteren Leben beeinflussen und weiterbringen.

 

 

 

Zivildienst bei den Rhein Sieg Werkstätten

Ein Bericht von Jan Thierolf

Einem jeden zukünftigen Zivildienstleistenden stellt sich die Frage: Wo soll ich hin? Selbstverständlich stand auch ich vor diesem Problem. Aber für mich gab es nur eine Antwort: Ich wollte unbedingt meinen Zivildienst mit außergewöhnlichen Menschen machen. Es hat mich schon immer interessiert, wie es sein muss, mit einer Behinderung zu leben - oder mit Menschen zu arbeiten, die mit einer Behinderung leben müssen.

Da kam mir in den Sinn, wo mein Bruder damals seinen Zivildienst verrichtet hat. Er war bei den Rhein Sieg Werkstätten in Eitorf tätig und hatte mir berichtet, dass es im sehr gut gefallen und er es nicht bereut hat, diese Erfahrung gemacht zu haben. So war meine Entscheidung schon getroffen, und ich bewarb mich umgehend. Nach der freudigen Nachricht, genommen worden zu sein, begann ich meinen Zivildienst im August 2008 in den RSW Eitorf. Ich fand mich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut zurecht. Die Arbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern macht mir unglaublich Spaß, und die Angestellten sind immer freundlich und hilfsbereit.

Es ist etwas ganz anderes, als ich mir vorher vorgestellt hatte. Zuerst dachte ich, es würde mich seelisch schwer belasten, "solche" Menschen zu sehen und mich mit ihnen zu beschäftigen. Jedoch muss ich sagen, dass es eine Erfahrung ist, die mein Leben sehr bereichert hat. Es ist einfach wunderbar zu sehen wie Menschen, die in ihrem Denken und Handeln so sehr eingeschränkt sind, trotzdem so viel Spaß am Leben haben können. Und wie diese Menschen sich über so geringe Kleinigkeiten wie ein bisschen Zuwendung freuen können, als wäre gerade Weihnachten. Es ist einfach ein wunderbarer Unterschied zu dem ganzen Unmut in der Welt: Jeder denkt doch nur, wie schwer er es hat und wie ungerecht ihn die Welt behandelt. Manager, die mehrere tausend Euro pro Monat verdienen, eine wundervolle Frau und gesunde Kinder haben, beklagen sich darüber, wie schwer sie es haben. Sie sind unglücklich mit ihrer Situation und haben keinerlei Spaß am Leben. Was für ein Kontrast zu den Mitarbeitern hier, die sich über jede Kleinigkeit freuen und ihr Leben genießen!

Am Liebsten stehe ich den Mitarbeitern immer mit Rat und Tat zur Seite und helfe ihnen bei ihren Problemen, soweit es mir möglich ist. Die Förderung und Betreuung der Mitarbeiter lag mir immer besonders am Herzen, und so habe ich meine ganze Energie in diesen Bereich fokussiert. Alles in allem bleibt nur zu sagen, dass der Zivildienst in den RSW Eitorf eine super Sache ist, mir unglaublich Spaß macht und mir so viele wichtige Erfahrungen beschert hat, wie ich es mir nie hätte erträumen lassen. Ich kann und werde jedem nur empfehlen, seinen Zivildienst mit außergewöhnlichen Menschen zu machen. Es wird das eigene Leben bereichern, und man wird etwas Wertvolles aus seinem Zivildienst mitnehmen.


 

nach obenzurückausdruckendrucken

 

 

balken1
  Home| Kontakt| Impressum| Sitemap